Das aktuelle Interview mit Mandy und Nico Brandtner aus Wansleben

Weihnachten 2017

H. Hayessen: Liebes Ehepaar Brandtner, ich begrüße Sie sehr herzlich. Schön, dass Sie Zeit gefunden haben für dieses Gespräch. Mitte Oktober haben wir hier in Etzdorf ein besonderes Spät-Sommerfest miterleben dürfen. Wir waren beeindruckt von der tollen Organisation und dem Ideenreichtum, der seinen Lohn in den strahlenden Kinderaugen fand. Sie Beide haben es organisiert. Wer waren die Gäste?

N. Brandtner: Krebskranke Kinder und deren Familien, also Geschwister, Eltern, Großeltern. Die betroffenen Kinder sind Patienten der Uniklinik Halle. Als eine der besten onkologischen Kinderkliniken des Landes hat sie einen großen Einzugsbereich. So waren auch Familien aus Dessau, Wittenberg, Braunschweig und Wolfsburg Gäste unseres Sommerfestes.

H. H.: Ihr Engagement hat sehr persönliche Gründe. Möchten Sie darüber reden?

M. B.: Ja, auf jeden Fall. Wir haben ein Kind, unseren Sohn Charly durch Krebs verloren. Charly war zwei Jahre alt, als ein Tumor der Nebenniere (Neuroblastom) bei ihm diagnostiziert wurde. Wenige Tage nach seinem fünften Geburtstag ist er verstorben. Diese drei Jahre waren eine schlimme Zeit zwischen Hoffen und Bangen. Wegen der zahlreichen Therapien waren wir mehr in der Klinik als zu Hause. Charly hat gekämpft. Große Hilfe haben wir erfahren von dem „Verein zur Förderung krebskranker Kinder e. V.“. Der betreibt ein Haus gegenüber der Klinik, „Kinderplanet“, in dem Eltern und auch Geschwisterkinder zeitweilig leben können und auch die kleinen Patienten, wenn sie nicht gerade in Intensiv-Behandlung sind. Dort wird viel für die Kinder getan, um ihnen kleine Lichtblicke zu verschaffen. Man kann dort mit den Kindern kochen, spielen, etc.

N. B.: Wir haben schon früh, also zu Lebzeiten unseres Sohnes, das Bedürfnis gehabt, diesen Verein zu unterstützen. Mit kleinen Events haben wir Geld zusammen bekommen für den Verein. Wir konnten damit Wünsche der Kinder erfüllen oder Material zum Basteln und Spielen besorgen. Das zu tun, hat uns sehr geholfen in dieser schwierigen Zeit, in der auch wir finanziell gebeutelt waren, z. B. durch die Entlassung meiner Frau – der Arbeitgeber wollte die vielen Fehlzeiten nicht akzeptieren – und durch all die vielen Extras, die für Charly notwendig wurden bezüglich Ernährung, etc. Ich selbst hatte mehr Glück mit meinem damaligen Arbeitgeber (Fa. Dubielzig in Obhausen). Der Senior-Chef hat zu seinem 60.Geburtstag sogar Geld für uns gesammelt und mich unterstützt, wo es nur ging. Ich durfte immer die Halle-Tour übernehmen und dann auch meine Familie dort besuchen. Das Geld habe ich weitergegeben an die Forschungsabteilung der Uniklinik.

H. H.: Inzwischen haben Sie einen eigenen Verein gegründet. Welches Ziel haben sie in der Satzung des Vereins formuliert?

N. B.: Ziel unseres Vereins „Herzensangelegenheit e. V.“ ist die Unterstützung schwerkranker Kinder und deren Familien. Man darf auch nicht unterschätzen, wie schwer es die Geschwisterkinder in diesen Familien haben. Nicht nur, dass sie immer zurückstecken müssen, weil die meiste Fürsorge zwangsläufig dem kranken Kind gilt, nein, sie müssen auch die Verzweiflung der Eltern aushalten und leider sehr oft auch deren Trennung. Wir möchten helfen, z. B. indem wir Wünsche erfüllen, kleine oder auch mal größere. Wir haben gute Leute an der Hand, bzw. nun auch in unserem Verein, Geschäftsleute, Juristen, eine Sekretärin (Schriftführerin im Verein) usw. Die sieben Gründungsmitglieder sind schon jetzt ein tolles Team. Noch steht der Notartermin aus. Ab dem 01.01.2019 sollte organisatorisch alles fertig sein. Dann sollte eine Aufnahme von weiteren Mitgliedern möglich sein.

H. H.: Was wünschen sie sich für die Zukunft?

M. B.: Dass unser Projekt weiter gut angenommen wird und unser Verein viel Unterstützung erfährt, denn „Nur gemeinsam sind wir stark!“ Das ist übrigens unser Leitspruch. Wir möchten unserem Team und den Gründungsmitgliedern ganz besonders danken! Ohne ihre Hilfe würden wir das nie schaffen und hätten nicht erreicht, was wir schon erreicht haben

H. H: Gibt es auch einen privaten Wunsch?

N. B.: Wir sind glücklich, dass wir alle gesund sind. Wir haben alles, was wir brauchen und geben gerne weiter, was möglich ist. Wenn wir ein kleines Lächeln in die Kinderaugen von Patienten und Geschwisterkindern zaubern können, dann sind wir genau richtig.

H. H.: Gibt es im nächsten Jahr wieder ein Sommerfest in Etzdorf?

N. B.: Das wissen wir noch nicht. Wir planen immer von Jahr zu Jahr. Für 2019 haben wir etwas ganz Tolles geplant. Das kann ich aber noch nicht verraten.

H. H.: Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mitteilen?

N. B.: Wer Interesse hat und mehr über uns erfahren möchte, kann uns über Facebook kontaktieren. Unsere Aktionen sind transparent. Einfach „Herzensangelegenheit e. V.“ eingeben.

H. H.: Ja, dann bedanke ich mich herzlich für dieses interessante Gespräch und wünsche Ihrer kleinen Familie, sie haben ja auch eine Tochter – Luna – alles Gute und Ihrem Verein viel Erfolg!

N. u. M. B.: Wir haben zu danken!

Hildegard Hayessen

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