Das aktuelle Interview mit den „drei Damen vom Teich“

Teich Steuden

…Gisela Böttcher, Rosel Gerlach, Alma Hoske und Beate Habel (es sind nämlich inzwischen vier Damen).

Hildegard Hayessen (H.): Hallo, da bin ich wieder. Erinnern Sie sich noch? Ich war vor einigen Wochen schonmal hier und hatte Sie gefragt, ob ich mit Ihnen ein kleines Interview für den Steudener Brief machen darf. Ich freue mich, dass Sie zugestimmt haben. Wollen Sie sich vielleicht erst einmal vorstellen?

Gisela (G.): Ich bin Gisela Böttcher, geb.Hut, bin 1931 in Steuden geboren. Ich bin Mutter von zwei eigenen Kindern und habe noch das Kind meiner Schwester angenommen. Ich habe drei Enkel und einen Urenkel.

Rosel (R.): Ich heiße Rosel Gerlach, bin 1932 hier in Steuden geboren. Ich habe nicht geheiratet und habe auch keine Kinder.

Beate (B.).: Ich bin Beate Habel, geb. Stephan, bin auch gebürtige Steudenerin und habe einen Sohn, mit dem ich hier wohne. Ich bin Industrie-Kauffrau im Ruhestand.

R.: Wir sind nicht vollzählig. Heute fehlt Alma Hoske, sie ist 1933 geboren. Ab morgen sollte sie wieder da sein.

H.: Sie sind also alle gebürtige Steudenerinnen und haben quasi ihr ganzes Leben in diesem Ort verbracht. Sie wissen noch, wie es früher hier war und was sich alles verändert hat. In den fast 90 Jahren ist das sicher beachtlich!

G.: Heute sieht man kaum noch Kinder auf der Straße. Früher war das ganz anders. Es gab viele Kinder hier in Steuden und die waren viel draußen. Im Sommer wurde sogar hier im Teich mit Enten und Gänsen zusammen gebadet.

R.: Keiner ist davon krank geworden. Im Winter, wenn der Teich zugefroren war, wurde Schlittschuh gelaufen.

B.: Mein Vater war Schuhmachermeister hier im Ort. Es gab hier fast alles an Gewerken, was man so brauchte. Es gab einen Sattlermeister, ein Baugeschäft, sogar zwei Bäcker.

R.: Wir hatten auch ein Textilgeschäft, einen Konsum und die Schule.

G.: Aber wir hatten keinen Arzt, bevor Frau Dr. Arendt kam. Wir hatten eine Gemeindeschwester. Der Arzt kam nur manchmal zu bestimmten Zeiten.

R.: Und es gab die Gaststätte. Da war jeden Samstag Tanz auf dem Saal. Die Steudener waren sehr gesellig. Manchmal gab es auch Aufführungen mit bekannten Schauspielern. Es war immer viel los.

B.: Die Feiern zum Frauentag gingen manchmal bis in die frühen Morgenstunden.

H.: Das ist nun alles schon sehr lange her. Sie waren damals noch Jugendliche bzw. junge Frauen. Sicher denken Sie heute mit Wehmut an diese Zeit. Aber gibt es vielleicht heute aus Ihrer jetzigen Sicht Dinge, die sich zum Positiven verändert haben?

B.: Mir gefällt, dass es ruhiger geworden ist. Man muss keine Angst mehr haben vor komischen Leuten, die einen ausspionieren wollen.

R.: Die Häuser sind besser in Schuss, es ist gepflegter.

H.: Was stört Sie, was müsste anders werden?

G.: Jeder macht nur noch so seins. Es gibt keine richtige Gemeinschaft mehr. Wir vermissen den Zusammenhalt.

H.: Wie gut, dass Sie sich gegenseitig haben. Passen Sie denn richtig aufeinander auf? Machen Sie sich Sorgen, wenn mal einer nicht hier erscheint?

R.: Nein, Sorgen machen wir uns nicht. Meistens sind wir aber informiert, wenn einer nicht kommt.

H.: Mal eine ganz andere Frage: Interessiert Sie, wer der neue Bürgermeister wird? Am kommenden Wochenende ist ja Bürgermeisterwahl.

R.: Wir kennen die Kandidaten ja kaum.

G.: Den Herrn Eigendorf habe ich mal kennengelernt.

H.: Aber den Herrn Witte, Ihren Ortsbürgermeister kennen sie doch.

Werden Sie denn wählen gehen?

R.: Ja, wir gehen wählen.

B.: Auf dem Weg dahin überlegen wir dann, wen wir wählen.

H.: Sie bekommen doch alle den Steudener Brief. Lesen Sie ihn?

ALLE BEJAHEN.

H.: Was mögen Sie am SB und was vermissen Sie?

B.: Ich lese am liebsten Artikel über früher.

R.: Ich lese ihn auch gerne, auch Religiöses. Ich bin auch Kirchenmitglied.

G.: Ich bin auch in der Kirche. Meine Tochter nimmt sich den SB meistens mit nach Hause, wenn ich ihn durchgelesen habe.

H.: Hätten Sie nicht Lust, einmal etwas für den SB zu schreiben? Vielleicht das Rezept von Ihrem Lieblingsessen?

G.: Ich habe kein Lieblingsessen. Ich esse alles.

B.: Ich esse gern Rouladen mit Klößen. Aber das ist kein besonderes Rezept.

H.: Jetzt kommt bald die kühle Jahreszeit. Wie kommunizieren Sie bei schlechtem Wetter?

B.: Bei schlechtem Wetter gehen wir nicht raus.

R.: Anfangs sind wir auch gemeinsam gelaufen, aber seitdem wir auf Rollator und Krücken angewiesen sind, sitzen wir nur hier und das geht dann bei schlechtem Wetter nicht.

G.: Wir telefonieren dann häufiger.

H.: Dann bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen für das nette Gespräch.

Ich wünsche Ihnen noch schöne Stunden am Teich im goldenen Oktober!

Alles Gute Ihnen allen!

Am übernächsten Tag schaue ich nochmal am Teich vorbei, in der Hoffnung, auch Alma Hoske anzutreffen, habe jedoch diesbezüglich kein Glück. Ich treffe aber nochmal auf Rosel, lasse mir meine bisherigen Aufzeichnungen von ihr absegnen und kann ihr gleich noch eine Frage stellen, die mir in der Zwischenzeit eingefallen war.

H.: Rosel, was war Ihre weiteste Reise von Steuden weg?

R.: Das kann ich auf Anhieb gar nicht sagen. Nach der Wende sind wir viel gereist! (mit einem Strahlen im Gesicht) Ich war in Ungarn, Holland, Frankreich, Italien, Schweden und in der Schweiz am Rheinfall von Schaffhausen. Die Nord- und Ostsee haben wir natürlich auch besucht.

H.: Das ist ja ein ganz schönes Pensum. Alle Achtung. Und schmieden Sie schon Pläne für die nächste Reise?

R.: Nein, solche Reisen kommen jetzt in unserem Alter nicht mehr in Frage. Man ist nicht mehr so fit.

H.: Liebe Rosel, wie schön, dass ich Sie hier nochmal habe treffen können. Vielen Dank für Ihre bereitwilligen Auskünfte. Grüßen Sie mir bitte die drei anderen“ Damen vom Teich!“ und Alles Gute!

Hildegard Hayessen

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